|
Globale Edelman-Studie zum Vertrauen in Institutionen:
„Menschen wie Du und ich“ erstmals glaubwürdigste Informationsquelle für Meinungsführer in elf Ländern – Deutsche Unternehmen genießen weltweit größtes Vertrauen
Entscheidungsträger rund um den Globus bedienen sich
vorzugsweise persönlich bekannter Informationsquellen, wie das diesjährige
Edelman Trust-Barometer zeigt. Diese siebte Befragung von 1.950 Meinungsführern
wird beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt. Neben einem gestiegenen
Misstrauen der Befragten aus Europa (Deutschland, Großbritannien, Frankreich,
Spanien, Italien), Amerika (USA, Kanada, Brasilien) und Asien (China, Japan,
Korea) in die großen Institutionen (Regierung, Wirtschaft und Medien) kommt die
Studie zu weiteren, teilweise überraschenden Ergebnissen:
-
Weltweit genießen „Menschen wie Du und ich“ inzwischen das meiste
Vertrauen – mehr als Ärzte und Wissenschaftler, die bislang immer den
Spitzenwert erzielten. In Deutschland sind sogar 73 Prozent der Befragten dieser
Auffassung, in den USA 68 Prozent.
-
Die Glaubwürdigkeit von Pressesprechern wird von der Mehrzahl der
Meinungsführer in Frage gestellt. Nach einem Rückgang um zehn Prozentpunkte im
vergangenen Jahr vertraut in Deutschland weniger als jeder fünfte Befragte den
Aussagen von CEOs oder CFOs. Weltweit zeichnet sich eine vergleichbare
Entwicklung ab.
-
Das Vertrauen in Regierungen, Unternehmen und Medien hat weiter
abgenommen. NGOs hingegen bilden mittlerweile in allen Märkten außer Japan und
Brasilien die vertrauenswürdigste Institution – insbesondere in dem
fernöstlichen Land ist ein signifikanter Anstieg (von 43 auf 66 Prozent
innerhalb des vergangenen Jahres) erkennbar. In Deutschland wird Amnesty
International sogar als vertrauenswürdige „Marke“ genannt (79 Prozent).
-
Die Befragten in Deutschland bringen ihren heimischen Unternehmen
geringeres Vertrauen (68 Prozent) entgegen als die Befragten in anderen Ländern
(Werte von mehr als 70 Prozent, in Japan sogar mehr als 90 Prozent). Unternehmen
mit Hauptsitz in den „emerging markets“ China und Indien leiden weltweit unter
Vertrauensdefiziten (weniger als 40 Prozent).
-
Weiterhin kämpfen bekannte US-Marken a priori mit einem
Vertrauensabschlag in Europa, beispielsweise Coca-Cola (USA: 65 Prozent vs.
Europa: 41 Prozent, Deutschland: 46 Prozent) oder McDonald’s (USA: 51 Prozent
vs. Europa: 30 Prozent, Deutschland 37 Prozent). Dagegen leiden
nicht-amerikanische Marken in keinem anderen Markt der Welt unter diesem
Phänomen.
-
Im Bereich der Medien hat das Internet als erste
Informationsquelle für Nachrichten in den vergangenen zwölf Monaten weiter an
Bedeutung gewonnen (19 Prozent in den USA, 20 Prozent in Deutschland). Mit nur
noch 22 Prozent in Deutschland ist der Vorsprung des Fernsehens fast aufgezehrt,
während Tageszeitungen in Deutschland (31 Prozent), aber auch in Frankreich,
Italien, Japan und Brasilien weiterhin erste Wahl sind.
„Wir stehen heute vor einem Wendepunkt in der Entwicklung der
Unternehmens-kommunikation. Die Erosion des Vertrauens in institutionalisierte
Informationsquellen ist soweit vorangeschritten, dass ‚Menschen wie Du und ich’
eine herausragende Position in der Informationsabsicherung eingenommen haben“,
kommentiert Richard Edelman, President und CEO von Edelman, die Ergebnisse.
Unternehmen in Deutschland und jedem anderen Markt seien daher gut beraten, die
eigene Glaubwürdigkeit mit Dialogangeboten an Konsumenten, Mitarbeiter und
andere Stakeholder zu stärken.
Deutsche Unternehmen international hoch
angesehen
Auf internationaler Ebene genießen deutsche Unternehmen bei
mehr als 70 Prozent der Umfrageteilnehmer hohes Ansehen. Damit liegen sie weit
vor den „erwachenden Riesen“ aus China und Indien. Auch leiden deutsche
Unternehmen nicht unter einem Vertrauensdefizit, mit dem amerikanische Marken in
Europa nach wie vor kämpfen. Dennoch haben deutsche Unternehmen im heimischen
Markt deutlich schlechtere Karten als im Ausland: Jeder Dritte misstraut ihnen.
Ein schlechterer Wert wurde nur noch für spanische Unternehmen im eigenen Land
ermittelt. Edelman Deutschland-Geschäftsführerin Cornelia Kunze kommentiert:
„Nationale und internationale Wahrnehmungen differieren sehr stark. Deutsche
Meinungsbildner gehen weiterhin eher kritisch mit ihren heimischen Unternehmen
um – ohne Grund, denn diese sind in der Welt sehr anerkannt. Mehr
Selbstbewusstsein zu zeigen bleibt in diesem Zusammenhang eine der zentralen
Übungen.“
Bei der Frage, welchen Medien die deutschen
Meinungsführer besonders vertrauen, rangieren Zeitungen an erster Stelle. Das
Internet ist auch hier die drittwichtigste Informationsquelle und dem Fernsehen
fast ebenbürtig. Alle großen Institutionen – dazu zählen auch Regierungen und
Unternehmen – haben aber weiteres Vertrauen eingebüßt. Am unteren Ende der Skala
steht in Deutschland die Regierung. Sie erreicht die geringsten Werte, genauso
wie in Brasilien, Spanien und Südkorea. Als die vertrauenswürdigsten
Organisationen werden weiterhin NGOs angesehen. In Deutschland nennen die
Befragten Amnesty International und Greenpeace besonders häufig.
Veränderte Informationsbeschaffung und
-absicherung
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Informationsbeschaffung
von Stakeholdern verändert hat. 73 Prozent der in Deutschland befragten
Meinungsführer sehen „Menschen wie Du und ich“ als vertrauenswürdigste
Informationsquelle an, aber auch Mitarbeiter gewinnen an Bedeutung. Werbung und
Unternehmenssprechern wird in Deutschland kaum Vertrauen geschenkt.
Meinungsbildner sichern ihre Informationen durch verschiedene Quellen ab, bevor
sie Entscheidungen treffen, und zeigen eine hohe Bereitschaft, enttäuschtes
Vertrauen zu ahnden – durch Mund-Propaganda, Produkt-Boykott oder
Kapitalflucht.
„Unternehmensbotschaften zu kontrollieren, ist Schnee von
gestern. Heute geht es eher um Dialog und Partizipation. Um der gewachsenen
Kommunikationsmacht ihrer Stakeholder angemessen zu begegnen, müssen Unternehmen
zukünftig lokal, one-to-one und über verschiedene Kanäle agieren. Das Internet,
insbesondere Blogging, gewinnt auch hierzulande zunehmend an Bedeutung“, so
Cornelia Kunze.
- xXx -
Über das das Edelman
Trust-Barometer:
Das Edelman Trust-Barometer ist eine jährliche Umfrage, in der
weltweit Meinungsführer zu Vertrauen und Glaubwürdigkeit von Institutionen,
Unternehmen und Medien befragt werden.
Die siebte Studie wurde von StrategyOne durchgeführt, einem
Marktforschungsunternehmen, das zur Edelman-Gruppe gehört. Im Oktober 2005
wurden 25-minütige Telefoninterviews mit fast 2.000 Meinungsführern in elf
Ländern durchgeführt: 400 in den USA, 750 in Europa (jeweils 150 in
Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien), 200 in China und
jeweils 150 in Kanada, Japan, Brasilien und Süd-Korea. Als Meinungsführer wurden
Personen definiert, die zwischen 35 und 64 Jahre alt sind, einen
Hochschulabschluss besitzen, über ein jährliches Einkommen von mindestens 75.000
US-Dollar verfügen und zudem im politischen, wirtschaftlichen und medialen
Bereich engagiert bzw. signifikant interessiert
sind.
|